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Gedanken zur Hubertusfeier - November 2012

Die Hubertusfeier ist ein guter Anlass unser Dasein als Jäger zu reflektieren.

Wir Jäger sind nicht nur ein Teil der Gesellschaft. Wie man die Jagd ausübt, spiegelt auch den Zeitgeist einer Gesellschaft wieder.
Vor 25 Jahren war die Jagd in unseren Revieren Volkseigentum. Jäger lieferten Wildbrett für die Allgemeinheit, verminderten Wildschäden in der Landwirtschaft und waren manchmal als Devisenbeschaffer unterwegs.
Vor 250 Jahren war die Jagd eng an die Machtverhältnisse der Gesellschaft geknüpft. Die Hoch- und Niederwildjagden waren streng getrennt und Verstöße konnten schwer bestraft werden. Manchmal erwuchs daraus ein Kampf um Leben und Tod. So wurden allein 1919 in Bayern 70 Forst- und Jagdschutzbeamte durch Wilderer erschossen. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei.
Und in welcher Zeit Jagen wir? In Welcher Gesellschaft jagen wir?

In welcher Zeit jagen wir?
Unsere Gesellschaft entfernt sich immer mehr von der Natur. Wir Jäger sind aber mit Augen und Ohren ganz dicht an der Natur. Unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von den Zusammenhängen in der Natur gegenüber den gesellschaftlichen Vorstellungen driften weiter auseinander.
Heute wird die Jagd kaum noch im alltäglichen Leben wahr genommen. Selbst „der“ Förster ist heute eher mit Laptop und Handy zu sehen als mit Dackel und Waffe.
Wenn wir Jäger im Alltag erlebbar sind, dann i. d. R. durch Meldungen von vermeintlichen Tier- und Umweltschützern, die oft mit schlecht recherchierten Zusammenhängen gegen die Jäger und die Jagd argumentieren. Immer häufiger müssen wir uns moralisch rechtfertigen. Wir, die Bambi- und Katzentöter, die Bleivergifter, die Wolfsfeinde.
Dabei ist der Landesjagdverband nicht grundlos ein anerkannter Naturschutzverband. Wie bereits erwähnt betreiben wir Jäger mit dem Hege von Waschbär, Katze und Co. einen aktiven Beitrag zur Artenvielfalt. Auch wenn nicht jeder Jäger jedes Jahr Stunden für die Biotopverbesserung aufwendet, sind es doch so manche kleine Bausteine, die in der Summe und über viele Jahre ihre Wirkung entfalten.
Der Diskussion um das Töten der Tiere können wir mit erhobenem Haupt entgegentreten. Ein höheres Gütesiegel als heimisches Wild ist unter moralischen Begriffen nicht zu finden.
Diese Rechtfertigung ist aber eng an die Grenzen der Weidgerechtigkeit geknüpft. Denn welchen Sinn hat es in Kampfanzügen und Hitec- Ausrüstung dutzende Krähen vom Himmel zu holen? Wer dieser Frage keinen gesellschaftlichen Sinn geben kann, handelt ohne Respekt dem Leben gegenüber. Die Jagd kann eben nicht auf die Lust am töten reduziert werden. Jagd ohne Weidgerechtigkeit ist keine. Denn Jagd ist auch die Verantwortung gegenüber unserem heimischen Wild und der Natur und zumindest teilweise eine Dienstleistung an die Gesellschaft.
 

Weidmanns Heil
Ingo Lembcke


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